Dieses Blatt präsentiert die wichtigsten Ereignisse, die die wallonische Landwirtschaft im untersuchten Jahr beeinflusst haben. Die Auswirkungen können unterschiedlicher Art und Intensität sein.
Im Jahr 2023 haben die Volatilität der Märkte, sinkende Gewinnspannen, die Umsetzung einer neuen Gemeinsamen Agrarpolitik, schwierige Wetterbedingungen sowie spezifische sektorale Situationen den wallonischen Agrarsektor beeinflusst.
Im Jahr 2023 sind die Agrarmärkte nach einem außergewöhnlichen Jahr rückläufig
Während 2022 ein außergewöhnliches Jahr mit besonders hohen Marktpreisen war, gingen die Marktpreise 2023 zurück, vor allem auf den Märkten für landwirtschaftliche Rohstoffe: Getreide, Eiweißpflanzen und Milch. Infolge der Sicherung der ukrainischen Exporte und guter Ernten in einigen Erzeugerländern sank der Preis für Futterweizen zwischen August 2022 und August 2023 um mehr als 30 %. Der Milchsektor sah sich zwischen 2022 und 2023 mit einem durchschnittlichen Preisrückgang von 20 % konfrontiert. Dieser Rückgang ist im letzten Quartal 2023 besonders ausgeprägt, da die Milchpreise im Vergleich zum selben Zeitraum 2022 um 30 % sinken.
Im Jahr 2023 sind die Gewinnspannen im Agrarsektor gesunken
Auch wenn die Preise für einige landwirtschaftliche Einträge im Jahr 2023 gesunken sind, haben die Märkte nicht wieder das Niveau von vor 2022 erreicht. So sank der Preis für Düngemittel, der 2022 besonders stark gestiegen war, 2023, ohne jedoch wieder das historische Preisniveau zu erreichen. Die Preise für Futtermittel gingen ebenfalls zurück, allerdings nur in der zweiten Hälfte des Jahres 2023.
Trotz der gestiegenen Aufwendungen für Pflanzenschutzmittel sowie für Maschinen und Gebäude blieben die Aufwendungen insgesamt stabil. Darüber hinaus sind bei sinkenden Verkaufspreisen für mehrere Agrarrohstoffe die Gewinnspannen des Sektors folglich gesunken.
Eine komplexe neue GAP für den Sektor
Im Jahr 2023 trat die neue Gemeinsame Agrarpolitik [GAP] in Kraft. Im Rahmen dieser neuen Politik wurden neue umweltfreundliche Maßnahmen eingeführt: die Öko-Regelungen und eine verstärkte Cross-Compliance. Zwei dieser Maßnahmen standen besonders im Vordergrund: eine, die darauf abzielte, 4 % unproduktive Zonen zu erhalten, und eine andere, die die Erosion bestimmter landwirtschaftlicher Flächen eindämmen sollte. Nach Protesten des Agrarsektors wurden diese Maßnahmen angepasst.
Sehr regnerische Wetterbedingungen
Im Jahr 2023 hatten mehrere Episoden anhaltender Regenfälle Auswirkungen auf den wallonischen Landwirtschaftssektor.
Im Frühjahr verzögerten Regenfälle die Aussaat der Frühjahrskulturen.
Im Sommer war die Getreideernte kompliziert, was zu einer schlechteren Qualität des erzeugten Getreides führte. Diese Regenfälle hatten auch Auswirkungen auf den Gemüsesektor.
Im Herbst erschwerten oder verhinderten Regenfälle die Rodung von Rüben und Kartoffeln. Die Regenfälle ließen auch den Zuckergehalt der Rübenwurzeln sinken. Späte Rodungen und Regenfälle im Herbst erschwerten auch die Aussaat von Wintergetreide.
Ein durchwachsenes Jahr je nach Produktionssektor
Im Jahr 2023 waren einige Produktionssektoren besonders stark vom sozioökonomischen Umfeld betroffen.
Im Bereich der pflanzlichen Produktion waren die Erzeuger von Äpfeln besonders stark von Exportrückgängen und steigenden Energiepreisen betroffen. Zum Ausgleich eines Teils ihrer Verluste erhielten sie von der Wallonie eine Beihilfe in Höhe von 2 Millionen Euro.
Hinsichtlich der Tierhaltung hatte der Rindfleischsektor weiterhin mit strukturellen Rentabilitätsproblemen zu kämpfen. Nach mehreren Jahren der Krisen (Afrikanische Schweinepest, Covid19, Krieg in der Ukraine, steigende Futtermittelkosten) erholt sich der Schweinesektor, sieht sich aber auf belgischer Ebene mit einem Rückgang der Bestände konfrontiert. Der Geflügelsektor hatte mit der Vogelgrippe zu kämpfen, besonders Flandern war betroffen.
2023, wie auch 2022, verlangsamte sich der Verbrauch von biologischer Landwirtschaft; dies führte zum ersten Mal zu einem leichten Rückgang der Zahl der zertifizierten Biobetriebe und der Anbaufläche.