Zusammenfassung : Das Jahr 2024 war das feuchteste Jahr, das je in der Wallonie verzeichnet wurde, mit sehr wenig Sonnenschein, was zu historisch niedrigen Erträgen bei Getreide, RĂĽben und Kartoffeln fĂĽhrte. Die Tierhaltungsbranchen wurden von den Folgen der Blauzungenkrankheit-Epidemie hart getroffen, was zur EinfĂĽhrung einer Förderregelung in Höhe von 17 Millionen Euro fĂĽhrte. Die Preise fĂĽr FeldfrĂĽchte fielen, während die Preise fĂĽr Milch und Rinder leicht anstiegen. Der Bio-Sektor sieht sich auch in diesem Jahr mit begrenzten Absatzmöglichkeiten konfrontiert. Insgesamt verschlechtert sich die Rentabilität der Betriebe, mit einem starken RĂĽckgang im Bereich Ackerbau, einer relativen Stabilität bei der Milcherzeugung und einer leichten Verbesserung bei der Rindfleischproduktion.

  Agrarpreise     -     Blauzungenkrankheit     -     Politik    -     Entschädigungen  

 

Klima und Erträge

Mit 1.170,7 mm Niederschlag in Uccle war 2024 das feuchteste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. AuĂźerdem war die Sonnenscheindauer mit nur 1.367 Stunden besonders gering, wodurch 2024 zum drittdunkelsten Jahr in der Geschichte wurde.

Diese auĂźergewöhnlichen Wetterbedingungen beeinträchtigten die gesamte Anbausaison. Aussaat und Ernte erfolgten auf feuchten Böden. Die Regenfälle erhöhten den Druck durch Krankheiten und Unkraut und erschwerten gleichzeitig den Zugang zu den Feldern.  Das unter diesen schwierigen Bedingungen ausgesäte und geerntete Getreide verzeichnete historisch niedrige Erträge und eine mittelmäßige Qualität, was die Verluste noch verstärkte.

Beim Kartoffelanbau verzögerten sich die Pflanzungen bis Juni, was die Wachstumsbedingungen beeinträchtigte und zu durchschnittlichen Erträgen mit regionalen Schwankungen führte. Eine mildere Wetterperiode im Herbst erleichterte die Ernte, aber die Lagerbedingungen stellten zahlreiche Herausforderungen dar.

Auch der Rübenanbau war betroffen, mit enttäuschenden Erträgen und einem besonders niedrigen Zuckergehalt. Auch Obstkulturen wie Äpfel, Birnen und Weinreben sowie Gemüse litten unter den Auswirkungen der starken Regenfälle.

Die Futtermittelproduktion war mengenmäßig höher, aber die Qualität ließ zu wünschen übrig.

Tiergesundheit

Die Ausbrüche der Blauzungenkrankheit setzten die Tierhaltungsbranche zusätzlich unter Druck. Die rasche Ausbreitung des Blauzungenvirus Ende Juli führte zu einem Rückgang der Milchproduktion, Fehlgeburten, Fruchtbarkeitsproblemen und erhöhter Sterblichkeit. Dies führte zu erheblichen direkten finanziellen Belastungen aufgrund höherer Tierarztkosten, insbesondere im Schafsektor.

Die Folgen von Fehlgeburten und Fruchtbarkeitsproblemen werden sich auch 2025 noch sowohl auf den RĂĽckgang des Viehbestands als auch auf die Milchproduktion auswirken.

Die Wallonie hat eine finanzielle UnterstĂĽtzung in Höhe von 17 Millionen Euro fĂĽr die betroffenen Sektoren bereitgestellt und sowohl Rinder- als auch Schaf- und Ziegenhalter teilweise fĂĽr Verluste aufgrund von Sterblichkeit und Morbidität in den Betrieben entschädigt.

Preise und Märkte

Das wirtschaftliche Umfeld erwies sich als ebenso schwierig. Der Anbau von Getreide, Rüben und Kartoffeln war sowohl hinsichtlich der Mengen als auch der Preise stark betroffen, wobei letztere im Vergleich zu 2023 einen deutlichen Rückgang verzeichneten. Dennoch konnten sich einige Sektoren durch positive Ergebnisse auszeichnen: Die Preise für Chicorée und Flachs stiegen, insbesondere dank der Erholung der Exporte nach China.

In der Tierhaltung ist die Zahl der Rinder zurĂĽckgegangen, und die Preise steigen allmählich. Die belgische Milchproduktion ging 2024 im Vergleich zu 2023 um 0,8 % zurĂĽck, während der Milchpreis stieg. Der Preis fĂĽr Eier steigt aufgrund einer unzureichenden Produktion. Der Preis fĂĽr Schweinefleisch blieb bis November hoch. Auf der Kostenseite sanken die Preise fĂĽr Futtermittel.

Der Sektor der biologischen Landwirtschaft in der Wallonie hat sich 2024 stabilisiert. Die Herausforderungen sind ein Mangel an ausreichenden Absatzmöglichkeiten für ihre Produkte, verbunden mit einem zu geringen Preisunterschied zwischen Produkten aus biologischem Anbau und Produkten aus konventionellem Anbau.

Demonstrationen und Mobilisierung

Der Jahresbeginn war geprägt von Protesten von Landwirten in ganz Europa, mit anhaltenden Mobilisierungen in der Wallonie. Die Landwirte äußerten vor allem ihre Besorgnis über den hohen Verwaltungsaufwand und die anhaltenden finanziellen Schwierigkeiten und wiesen dabei auf die Anfälligkeit bestimmter Betriebe hin.

Die Unterzeichnung des Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Ländern hat ebenfalls zahlreiche Befürchtungen für den Agrarsektor ausgelöst, sowohl hinsichtlich der Gleichwertigkeit der Vermarktungsnormen als auch hinsichtlich des Überlebens der Märkte, die potenziell negativ betroffen sein könnten: Rindfleisch, Geflügel und Zucker.

Wirtschaftliche Folgen in den Betrieben

Im Jahr 2024 führten geringe Erträge und sinkende Preise im Ackerbau zum zweiten Mal in Folge zu einem erneuten deutlichen Rückgang des Deckungsbeitrags. In Betrieben, die sich auf Milchvieh spezialisiert haben, blieb der Deckungsbeitrag im Vergleich zu 2023 insgesamt stabil, während in Fleischviehbetrieben eine leichte Verbesserung zu beobachten ist. Diese Trends müssen jedoch relativiert werden, da die Unterschiede zwischen den Betrieben desselben Produktionssektors nach wie vor erheblich sind.

Die Auswirkungen auf unsere Landwirtschaft...

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